„Hauptsache gesund!“ –

Meine Gedanken zu dieser Aussage

Ich hatte euch ja bereits in meiner Instastory davon berichtet, dass einem während der Schwangerschaft so einige Dinge begegnen, über die man sich vorher gar keine Gedanken gemacht hat. Unter anderem können das „gut gemeinte Tipps“ von Fremden sein, die sich einbilden, dass sie sich sofort Urteile erlauben dürfen, wenn sie Frauen mit dicken Bäuchen sehen. Oder aber das typische „an den Bauch fassen“ von alten Frauen – ich hatte das Glück, bisher keine dieser komischen Begegnungen mit Fremden gemacht zu haben und auch noch nie „gut gemeinte Tipps oder Ratschläge“ ungefragt bekommen zu haben. Trotzdem tauchen in letzter Zeit Gedanken und Themen in meinem Kopf auf, über die ich vor der Schwangerschaft nie nachgedacht hatte. In meinem letzten Beitrag „Was wird es denn?“ hatte ich das ja auch schon ein wenig aufgegriffen und möchte heute meine Meinung zu dem Satz „Hauptsache gesund!“ mit euch teilen.

Das Ganze fand ich einfacher in einem Video einzubinden, denn da kann ich meinem Gedankenwirrwarr einfach freien Lauf lassen und drauf los reden, anstatt hier alles akkurat aufzuschreiben. Das Video ist zwar ein bisschen kurios und ich weiß nicht so Recht, ob meine Meinung bzw. meine Gedanken zum Satz „Hauptsache gesund“ so richtig rüber kommen, aber ich hab versucht, einfach mal zusammenzufassen, was ich dazu denke. Eins kann ich ja schonmal verraten – und zwar hab ich mich seit meiner eigenen Schwangerschaft irgendwie von dieser Aussage distanziert und möchte sie selbst nicht mehr nutzen. Warum? Das versuche ich im Video zu erklären. Schaut es euch gern mal an und bildet euch eure eigene Meinung zu dem Thema.

Ich bin sehr gespannt, was ihr dazu sagt und ob ihr euch schonmal ähnliche Gedanken dazu gemacht habt oder ob es für euch ein ganz normaler Satz ist und ich vielleicht viel zu viel interpretiere!? Daher freue ich mich hier besonders über euer Feedback und eure Meinung dazu!

4 Comments

  • Ich sehe es etwas anders. Ich finde es nicht „egal“, wenn ein Kind nicht gesund ist. Denn das ist es vor allem für das Kind nicht, wenn es darunter leidet. Ich beziehe den Satz „Hauptsache gesund!“ aber auch überhaupt nicht auf die elterliche Liebe! Ja, dafür ist es tatsächlich „egal“, ob gesund oder nicht und für mich hätte es auch nichts geändert an meiner Liebe zu meinen Töchtern. Aber für mich bedeutet „Hauptsache gesund!“ viel eher den Wunsch, den man für das Kind hat. Aber ich verstehe was du meinst! Du beziehst die Aussage rein auf die Liebe, die ihr als Eltern empfindet. Und wie gesagt, dafür spielt es wirklich keine Rolle oder sollte es zumindest nicht. Und natürlich können Kinder mit Erbkrankheiten und Behinderungen glücklich und „gesund“ sein! Aber es ist halt auch möglich, dass sie es nicht sind und leiden. Und das wünscht sich kein Elternteil. Darum drückt „Hauptsache gesund!“ für mich einzig den Wunsch aus, dass es dem Kind gut geht und deshalb verstehe ich diese Aussage von allen Seiten. Ich glaube nicht, dass irgendjemand damit meint: „Hauptsache du musst dich nicht mit einem ungesunden Kind rumplagen!“

    • Annanikabu sagt:

      Liebe Sarit,

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar – ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit genommen und mir auf dieses wichtige Thema geantwortet hast. Siehst du, genau das war es, was ich mir erhofft hatte – einen anderen Blickwinkel zu bekommen und das ganze auch mal aus anderer Perspektive zu sehen. Für mich war die Aussage irgendwie negativ behaftet und jetzt sehe ich das schon wieder ganz anders. Du hast recht, dass das Kind schmerzen hat und leidet möchte natürlich niemand, ich hab das „gesund“ irgendwie nur auf eine „Behinderung“ bezogen und somit nur eine Seite gesehen.

      Vielen Dank, für deinen Blickwinkel und deine Meinung, damit hast du mir sehr geholfen!

  • Silke sagt:

    Ich finde deine Aussage im Video sehr schwierig. Wie es der Zufall so will bin ich Mutter eines gesunden und eines mehrfach behinderten Kindes und finde tatsächlich: hauptsache gesund!
    Das bezieht sich nie darauf wie sehr man das Kind liebt sondern einzig und allein das es eben nicht selbstverständlich ist das Kinder gesund zur Welt kommen!!
    Du sagst das es sich sonst so anhört als ob es scheisse ist wenn das Baby behindert ist, ja es ist ja auch scheisse.
    Bitte informiere dich etwas besser bevor du Dinge in Worte fasst die für sehr viele Menschen verletzend sind.
    Hauptsache gesund ist nämlich harmlos, gut gemeint und die Leute denken garnicht darüber nach. Pränataldiagnostik soll auch nicht förderlich sein für die Abtreibungsrate sondern vielmehr eine Hilfestellung sein. Ohne jegliches Wissen wären zum Beispiel bei der Geburt meiner Tochter garkeine Ärzte anwesend gewesen und das wäre fatal. Trisomie 15, 18, 21 und die ganze Bandbreite an genetischer Vielfalt kann während der Geburt zu Komplikationen für Mutter und Kind führen.
    Ich wusste das ich ein nicht gesundes Kind zur Welt bringen würde, ich liebe sie mehr als mein Leben und trotzdem wünsche ich von Herzen jedem ein hauptsache gesundes Baby

    • Annanikabu sagt:

      Hallo liebe Silke,

      Vielen, vielen Dank für dein Feedback und deine ehrliche Meinung. Genau das war es, was ich gern hören wollte – ehrlicher Austausch und auch eine Diskussion zum Thema. Mir ist es nämlich super wichtig, dass man nicht einfach immer „ja und amen“ sagt und alles so hinnimmt und ich möchte auch lernen und gerade im Bezug auf Elternwerden und Elternsein steh ich ja noch ganz am Anfang, mache mir aber viele Gedanken…

      Daher freue ich mich umso mehr, dass du aus deiner Perspektive berichtest und sagst, dass es gerade bei Kindern mit Behinderung wichtig ist, das ggf. Vorher zu wissen, um sich darauf einzustellen.

      Ich wollte auf gar keinen Fall jemanden verletzen, eigentlich genau,im Gegenteil – ich wollte zeigen, dass ich keine Unterschiede mache und ich es überhaupt nicht „scheiße“ finde, wenn ein Kind anders ist. Ich habe eine Zeit mit geistig und körperlich beeinträchtigten gearbeitet und habe alle sehr lieb gewonnen…

      Vielleicht wurde ich bei meiner Ärztin auch nicht ausreichend zur Diagnostik informiert, aber es hieß nur, dass man Trisomie erkennen könne und dass das ja bewusst vor der 12. Woche gemacht werde, falls man sich dann „anders“ entschieden würde… Und da war ich direkt dagegen, weil es mich und meinen Mann total falsch angefühlt hat.

      Aber natürlich verstehe ich auch dein Argument, dass es zum Beispiel bei der Geburt wichtig war, jemanden zu haben.

      Ich freue mich wirklich sehr, dass du mir ein wenig die Augen geöffnet und auch deinen Standpunkt klargestellt hast. Vielen dank für deine offenen Worte und jetzt denke ich ehrlich schon wieder ganz anders darüber nach und bin dir sehr dankbar!

Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar