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„What’s your job, Heike?“

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Heute gibt es endlich den lang ersehnten (ich hoffe doch, dass ihr schon immer mit scharrenden Füßen darauf wartet und ganz ungeduldig mit den Fingern auf den Tischen trippelt), „What’s your job?“ Post.
Wer nicht weiß, was das ist, der klicke bitte einmal hier.

Normalerweise gibt es diese Posts an jedem ersten Montag im Monat, aber heute ist eine Ausnahme und so gibt es heute den Post über Heike und ihren Job als Lehrerin in einer Waldorfschule. Ich liebe ihren Schreibstil und ihre ironische Art. Lest es euch durch und besucht unbedingt auch mal ihren Blog!
Viel Spaß beim Lesen!

Lehrer – das sind die, die sich jeden Tag vorne an der Tafel  zum Clown machen und ganz oft Ferien haben.  Die mit den Leitzordnern im Regal und den vielen Arbeitsblättern. Als Schüler dachte ich ja immer, Lehrer existieren nur in der Schule und war immer sehr irritiert, wenn ich sie außerhalb getroffen hatte. Ich vermute, Schülern heute geht es nicht anders. Zumindest erntete ich neulich sehr überraschte Blicke, als ich erwähnte, dass ich einen Twitteraccount hätte.

Lehrer – das war mein Traumberuf, nicht wegen der vielen Ferien (die man mit der „falschen“ Kombi sowieso durchkorrigieren kann) oder der freien Nachmittage (die man zu Beginn auch garantiert nicht hat), sondern weil ich etwas besser machen wollte als viele meiner Lehrer – ich wollte nicht wegsehen, mich für meine Schüler einsetzen, den Menschen hinter dem Jugendlichen sehen. Und dann wollte ich etwas genauso machen wie manche meiner Lehrer – Begeisterung entfachen, menschlich sein, fair sein.

Lehrer – das ist ein Studienberuf. Zumindest Realschullehrer, was ich mich jetzt schimpfen darf. Nachdem ich mich also bis zum Abitur gekämpft hatte und meine Überbrückungszeit in einem heilpädagogischen Kindergarten verbrachte, begab ich mich in den Unidschungel, durch den ich mich weitere Jahre gekämpft hatte, Prüfungen schrieb und  Unmengen Hausarbeiten abgab – nur, damit keine dieser Noten in meine Examensnote eingehen sollte. Arg! Studiert habe ich nämlich noch nach der alten Lehramtsprüfungsordnung in Bayern. Mittlerweile ist den Leuten wohl auch aufgefallen, dass das Käse ist, und mit dem neuen modularisierten Lehramtsstudium zählen auch die Klausuren, die man während des Studiums schreibt, zu  40%  in die Endnote. Geprüft wird man in seinen gewählten Fächern (mindestens eines davon muss ein Hauptfach sein, in meinem Fall waren das Deutsch und Geschichte) und in Erziehungswissenschaften. Zwischendrin verbringt man Zeit an möglichst verschiedenen Schulen, um schon einmal ins Schulleben schnuppern zu können. Wie viel man da unterrichtet und erlebt, hängt von der eigenen Motivation und der Bereitschaft der Lehrer ab, Stunden abzutreten.

Der Lehrer im Referendariat – das arme Wesen? Möglich. Möglicherweise aber auch nicht. Persönlich kann ich sagen: mein erstes Jahr war durchaus nicht immer schön, ich habe viel geweint, hatte kaum Zeit für Familie und Freunde und um Weihnachten herum hatten wir die erste Mitstreiterin verloren – Bundeslandflucht. Unterstützung bekam ich aber durchaus, auch wenn nicht alles ideal ablief, und ich habe zwei gute Freundinnen gefunden, mit denen ich das Referendariat bis zum Ende ausgestanden habe. In Bayern hat man im ersten Jahr zwei Lehrproben, idealerweise macht man auch gleich den praktischen Teil seiner Staatsexamensarbeit. Im ersten Halbjahr hatten wir eine Deutschklasse zu zweit und eine Geschichteklasse für uns allein, d.h. 4 Stunden Unterricht pro Woche. Dazu kamen noch Fachsitzungen in unseren Fächern, Grundlagen staatsbürgerlicher Bildung, Schulrecht, Psychologie und Pädagogik (jeweils zweistündig). Insgesamt sollten wir auf 25 Stunden kommen, so mussten wir also den Rest der Zeit mit Hospitationen bei den anderen Referendaren füllen. Im zweiten Jahr bekamen wir eine Deutschklasse für uns allein und zwei Geschichtskassen, das machte dann 9 Stunden pro Woche. Mein zweites Jahr war dagegen fast das Paradies – mehr Eigenständigkeit, eine völlig andere Beziehung zu den Klassen, die man hat, und zu den Kollegen, die einen dann doch ernster nehmen. Und die harte Schule des ersten Jahres hat mir viel gebracht. Obwohl ich 17 Stunden pro Woche unterrichtet habe, zusätzlich eventuell noch Vertretungen, hatte ich plötzlich mehr Zeit denn je – was aber wohl auch daran lag, dass ich keine Fachsitzungen mehr hatte und im ersten Jahr gelernt hatte, organisiert und effizient zu arbeiten. Ein paar Mal im Jahr kehrt man noch an seine alte Schule zurück, hält dort nochmal Stunden, hat Fachsitzungen und zwischen Oster- und Pfingstferien auch seine letzten mündlichen Prüfungen. An der Einsatzschule hat man vorher noch die dritte Lehrprobe, die im Gegensatz zu den ersten beiden völlig unabhängig von den Seminarlehrern ist – was bei manchen von uns ganz schön in die Hose ging, da jeder Seminarlehrer andere Vorstellungen hat.

Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob? Sowohl als auch. Eines muss einem klar sein – Lehrer werden, damit man viel Geld und viel Freizeit hat, funktioniert nicht. Jobs beim Staat in Bayern? Mangelware. Freizeit? Solange man kein Material vorbereitet hat – wenig. Chef im Klassenzimmer? Hart erarbeitet, manchmal nie erreicht. Lehrer sein ist kein Zuckerschlecken. Dennoch – ich bin gerne Lehrerin. Weil meine Schüler anstrengend, aber toll sind. Weil es Momente gibt, in denen es läuft – wenn die Fünfte dir beim Märchenvorlesen schweigend zuhört und danach applaudiert, wenn man sich mit der Siebten einmal einfach Zeit nimmt und mit ihnen spricht. Wenn man merkt, dass die Schüler etwas verstanden haben. Wenn man damit leben kann, dass man manchmal spontaner sein muss, als einem lieb ist, es auch mal laut zugeht, man nicht von jedem unbedingt gemocht wird und jeder Zweite denkt, er könne deinen Job mindestens genauso gut wie du machen (wenn nicht sogar besser) – viel Spaß im Lehrerleben. Meine unerschütterliche Geduld mit meinen Schülern und ihren Eltern hilft mir in der Regel durch die stressigsten Tage. Ich denke aber auch, dass es abhängig ist, an welcher Schule man arbeitet, wie glücklich man ist – der schönste Beruf kann vermiest werden durch blöde Kollegen und einen fiesen Chef und umgekehrt die schrecklichsten Tage von netten Kollegen aufgeheitert werden.

Der Waldorflehrer – der tanzende Öko im selbstgestrickten Pulli? Jetzt werdet ihr euch fragen: Hä? Waldorfschule? Sie sagte doch, sie wäre Realschullehrerin. Tatsächlich bin ich das noch bis Ende des Schuljahres. Vielleicht werde ich es auch einmal wieder sein. Ab nächstem Jahr schlage ich aber eine neue Richtung ein und beginne als Klassenlehrerin an einer Waldorfschule (die nötige Zusatzausbildung mache ich parallel dazu zwei Jahre lang). Tatsächlich war ich selbst erst kritisch, habe mich viel eingelesen und war an meiner neuen Schule einmal in der Woche, um mir den Unterricht anzusehen. Von Kollegen, Schülern und meinen Freunden darf ich mir schon den einen oder anderen doofen Kommentar anhören, aber ich habe gemerkt, dass vieles einfach nur Vorurteile sind – und eines fällt für mich ab nun weg, das mich an der Realschule absolut nicht an meinem Job mochte: die traurigen Augen, wenn ich schlechte Noten verteilt habe. Und vielleicht kann ich im Laufe der Zeit auch das eine oder andere Vorurteil widerlegen, das so um meine neue Schulart grassiert. Selbst Pullis stricken kann ich schon einmal nicht (;

Lehrer sein geht übrigens nicht ohne Schüler. Da ich aber von meinen Schützlingen keine Fotos zeigen darf, ein Ersatzbild, das bei meiner Siebten im Klassenzimmer hängt.

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