Zahnarztbesuch für Fortgeschrittene

Wie ein kleines Häufchen Elend fühlte ich mich.
Mit hochrotem Kopf, verkrampft und mit ganzem Körper reingedrückt in diese Liege.
Es war schrecklich und ich musste es insgesamt 4 Stunden über mich ergehen lassen.

Die Rede ist von meinem gestrigen Zahnarztbesuch.

Als Kind hatte ich nie Angst vor dem Zahnarzt – warum auch – mir tat nie was weh, die Ärzte waren immer nett und am Ende durfte ich mir was Schönes aussuchen! :-)
Ich hatte nie Probleme, klar 2 kleine Plomben mussten da mal rein (wegen Karius und Baktus – wer kennt sie nicht!?), aber sonst war alles tutti.

Mit ca. 16 hieß es dann, ich sollte doch besser eine Spange tragen – denn ich hatte 2 kleine „Vampirzähne“, die schon etwas nach vorne heraus ragten… Es war schon komisch, neben den kleinen 10-12 jährigen Kindern zu sitzen und dir mit 16 noch eine Spange reinsetzen zu lassen – aber was tut man (in meinem Fall: Frau) nicht alles für die Schönheit!? So trug ich sie dann die (heißgeliebte und meist gehasste) Zahnspange – von 16 bis 19 war sie mein tägliches Schmucksstück und in der Disco hagelte es andauernd komische Blicke. Aber auch durch diese Zeit habe ich mich „gequält“ – nein ich wurde nicht gehänselt – ich war auch mit Zahnspange ziemlich cool! ;-)

Ich war der glücklichste Mensch, als ich endlich diese feste Spange nicht mehr tragen musste. Zwar kann ich mich nicht mehr genau an den Tag erinnern, aber sicher habe ich ganz für mich allein ein kleines Fest gefeiert (alle die eine Spange getragen haben müssten dieses Gefühl kennen).

Es ging mir gut, 3 lange Jahre hatte ich keine Probleme mit meinen kleinen Zähnchen, sie drückten sich nicht gegenseitig weg, sie waren einfach da in meinem Mund und machten mein Lächeln noch schöner (stellt euch mal vor, wie das ohne Zähne aussehen würde, haha)…

Doch dann biss ich eines Tages in ein leckeres Keksgebäck und es machte *kracks* (oder so ähnlich). Ich war gerade nach Berlin gezogen und wusste gar nicht, wo ein guter Zahnarzt war. Somit fuhr ich zu dem, der am nächsten an mir dran war – doofe Entscheidung. Denn seit diesem Zahnarztbesuch bedrückt mich immer ein komisches Gefühl, wenn ich Zahnärztepraxen besuche. Dieser Zahnarzt hat mir gezeigt, was es heißt Angst zu haben, vor dem, der mir da im Mund rumfuchtelt. Der Besuch dauerte damals für mein Empfinden viel zu lange. Es wurde nicht richtig mit mir geredet, nur rumgefuchtelt in meinem Mund in dem sich ein Haufen an Speichel angesammelt hatte (hach, ist das ein tolles Thema) und am Ende hieß es, ich müsste wiederkommen und dann wird der Zahn ersetzt…

Zahn ersetzen? – was, warum, wieso?“ – Ich fragte es nicht, denn mir war klar, dass ich dort nicht wieder hingehen würde. Ich sparte mir die Fragen auf und beschloss nie wieder eine Zahnarztpraxis aufzusuchen. – Wieder eine doofe Entscheidung – denn so ein Provisorium hält ja nicht ewig.

So kam es dann, dass ich im Internet nach einer neuen Praxis suchte. Ich habe eine gefunden, die sich extra auf „Angstpatienten“ spezialisiert – aber war ich das wirklich? Habe ich Angst? Oh Gott, ich muss es zugeben: ja, ich habe Angst. Bei meiner neuen Zahnärztin bin ich nun seit ca. 1 1/2 Jahren und sie ist wunderbar. Sie erklärt mir genau, was sie vor hat, sie redet mir gut zu und sie sagt mir, dass ich wunderbar durchhalte (auch wenn ich selber das Gefühl habe, dass ich manchmal echt anstrengend bin).

Gestern war es dann so weit. Es wurden Abdrücke genommen, damit mir ein neuer Zahn erstellt werden kann. Es war wirklich spannend – da die meisten von euch sich damit nicht auskennen werden (welche 24 Jährige hat schon die Dritten!?) erzähl ich mal ein wenig davon. Als erstes kam ein Zahntechniker (ein netter Mann, der mir sagte, er macht den Zahn ganz genau nach meinen Vorstellungen), er machte Fotos von meinem Gesicht, meinem Kiefer und den Zähnen. Er maß mein Gesicht aus und fragte mich, wie ich den Zahn gern hätte. Ja, ich kann mir echt aussuchen, wie groß der Zahn werden soll, ob er eher abgerundet oder eckig sein soll und noch viel mehr. Im Endeffekt hab ich ihm die Entscheidung überlassen – er macht das seit Jahren und er wird mir passend zu meinem Gesicht einen perfekten neuen Zahn erstellen. Dann wurde geröntgt und die Vorbereitungen für den Einsatz meines neuen Zahnes wurden getroffen. 5 Betäubungsspritzen und ca. 2 1/2 Stunden später war dann das Gebohre, das Speichel-weg-gesauge, das Abschleifen und alles was die da noch in meinem Mund angestellt haben endlich fertig!

Und das Beste – ich habe zum Schluss von meiner Zahnärztin eine „Trostschokolade“ bekommen – weil ich so gut durchgehalten habe – wie früher!
Da geh ich gern wieder hin! :-)

Warum erzähl ich euch das Ganze? Ich sitze hier gerade (noch immer mit dicker und heißer Wange – von der Entzündung) und wollte euch von meinem „Leid“ erzählen und euer Mitleid erhaschen. ;-)
Nein, ich wollte euch einfach teilhaben lassen an meinem Leben und meinen Erlebnissen und auch solche Erlebnisse gehören dazu. Und falls bei euch jemand dabei ist, der Angst vorm Zahnarzt hat – sucht euch nen anderen – es kann nur besser werden!

Dieser Post bleibt übrigens bilderfrei, weil ich es nicht einsehe euch jetzt Bilder von mir mit dicker Wange hier drunter zu klatschen (der Text war schon persönlich genug!), haha. Außerdem finde ich, dass andere Bilder hier einfach nicht zu passen. Darum lasse ich es einfach ganz… Morgen gibt es dafür mal wieder einen Outfitpost mit mehr Bildern als Text! ;-)

Ich hoffe, meine kleine Anekdote hat euch ein wenig gefallen und bin schon gespannt auf eure Kommentare!

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Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar